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Rolf Milser

*1951
Weltrekordler und Olympiasieger im Gewichtheben

Während seiner aktiven Karriere kam Rolf Milser auf 115 deutsche Rekorde, zwei Weltrekorde und eine olympische Gold-Medaille. Nach dem Karriereende betreute der Duisburger die Auswahl des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber und eröffnete ein Hotel.

Kurzbiografie

  •  Geboren 1951 in Bernburg/Saale
  • Ausbildung zum Schlosser
  • 1964 Anfänge im Gewichtheben bei der Hochfelder Athleten Gesellschaft- Duisburg
  • 1975 und 1984 Silbernes Lorbeerblatt
  • 1976 erster Weltmeistertitel und Weltrekord im Stoßen
  • 1984 Olympiasieger im Schwergewicht (bis 100 Kg)
  • 1985-1997 Bundestrainer des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber e. V. im Junioren- und später Seniorenbereich
  • 1997 Eröffnung des Hotel Landhaus Milser

Rolf Milser über …

… die Anfänge mit Besenstil

„Ich bin zur AG Hochfeld, Hochfelder Athleten Gesellschaft, so hieß das früher. Da habe ich erst gerungen. Aber diese Schlepperei mit den Matten und so, das war nicht so meins. Dann habe ich später Gewichtheben gemacht und bin dann dabeigeblieben. Die sahen auch, dass ich ein bisschen talentiert war und haben mich auch gefördert. Ein bisschen später war ich schon ein deutscher Jugend-Vizemeister in Hostenbach, das werde ich nie vergessen. Anschließend bin ich dann Junior gewesen, dann habe ich alles gewonnen, was man gewinnen kann.
Anfangs trainierte ich zwei-, drei Mal in der Woche. Erst in der Hocke sitzen, dann mit einem Besenstil. Und dann ging das los. Mit dem Besenstil, das war ja ein bisschen lächerlich.

Sport war immer meine beste Note auf dem Zeugnis. Und dann kam die Stange mit zehn Kilo. Dann kamen 20 Kilo und es ging dann immer weiter. Das fing dann an, als ich 13 war. Also wir haben ja Ball gespielt, Volleyball und ein bisschen Hanteltraining also mit dem Besenstil. Und dann ist das von Jahr zu Jahr mehr geworden. Ich bin natürlich ohne Ende motiviert gewesen und habe dann gedacht: Weißte watt? Da machst du was draus!
Die Gewichtheber, die haben mich herzlich aufgenommen. Ich war 13, da war der Verstand noch nicht ganz da. Ich meine, wer will den mit 13 schon Gewichtheben machen? – Keiner eigentlich. Ich habe dann mitgemacht und war schon sehr stark. Ich habe mit 13 Jahren fast bessere Kniebeugen gemacht wie der stärkste aus dem Verein. Er sagte: ‚Das gibts doch nicht. Wie alt bist du?‘ Und dann haben die mich zum Essen mitgenommen, da war er der Ring dann geschlossen. Das Milieu waren eigentlich normale nette Leute.“

… seine olympische Goldmedaille 1984

„1979 war ich Weltrekordler und 1980 war der Boykott von den Russen. Mit 20 Kilo mehr hätte ich in Moskau gewonnen. Der Ungar, der hat gewonnen. Er hat jedes Mal 20 Kilo mehr gemacht. 1984 habe ich auch ein bisschen Dusel gehabt, dass der Ostblock boykottiert hat. Das war vorher schon mein letzter Wettkampf. Mir haben die Knie ein bisschen wehgetan und die Schultern ein bisschen und der Ellenbogen. Also es hat mir alles ein bisschen wehgetan. Ich war in Sofia in Bulgarien im Trainingslager. Und für mich war klar: Das ist mein letzter Wettkampf, bevor ich da gewonnen habe. Ich wusste, das ist mein Letzter. Ja, wie gesagt, dem Fleißigen, schlägt ja irgendwann seine Stunde. Ich hebe das Ding da hoch 217,5 Kilo, dann habe ich sie fallen gelassen und nie mehr wieder gehoben. Dann kam Arnold Schwarzenegger in meine Garderobe und sagte: ‚Hör mal Champion, das war toll, was du gemacht hast!‘ Und dadurch ist so eine gewisse Freundschaft auch mit Ralf Möller zusammen entstanden.“

… Anekdoten aus der Trainerakademie und der Olympiavorbereitung

„Dann war ich ja Bundestrainer, ich habe in Köln studiert und als Bester bestanden – nebenbei gesagt mit einer eins. Weil ich kein Abitur hatte, war ich war der Einzige, der eine Aufnahmeprüfung machen musste. Du kannst ja nicht studieren, wenn du kein Abi hast. Aber da ich alle Trainerscheine hatte und sportlich sehr erfolgreich war, war es in Ordnung. Ich war ja in der Zeit noch am Trainieren. Ich bin dann durch das ganze Lernen vom ersten Platz auf den sechsten abgerutscht. Habe mir aber, da ich clever war, dann in der Trainerakademie ein Zimmer genommen. Ich bin dann nicht nach Hause gefahren, weil ich trainiert habe. Dann habe ich wenigstens anderthalb Mal trainiert. Sonst habe ich ja zweimal am Tag trainiert. Also ich vom Weltmeister schließlich auf den sechsten Platz weggerutscht.
Als die Prüfung in Köln bestanden war, musste ich mal ein Zeugnis vorzeigen, beim Oberstadtdirektor, Oberbürgermeister und beim Sportdirektor. Dann habe ich dem Sportdirektor mein Zeugnis gezeigt. Und er sagte: ‚Wen hast du denn da bestochen?‘ Weil ich mit eins abschlossen habe. Der fragte: ‚Willst du jetzt meinen Job haben?‘ ‚Nee, deinen Job will ich nicht.‘ ‚Was willst du denn?‘ – Das war 1982. Ich sagte: ‚Ich will mich noch mal für ´84 vorbereiten.‘ ‚Ach, willst du schon wieder auf unsere Kosten?‘ – Ich hatte unter Fortzahlung der Bezüge studiert und konnte zwei Jahre lang für Olympia trainiert. Das hat das Sportamt so gemacht. ‚Was willst du da machen?‘ ‚Ich hole eine Medaille! Ich verspreche es!‘ ‚Ja, welche denn?‘ ‚Welche kann ich jetzt nicht sagen, aber ich hole eine Medaille. Ich verspreche es!‘ Und der Oberstadtdirektor: ‚Will der noch mal zwei Jahre auf Fortzahlung seiner Bezüge …‘
Und dann kam Gott sei Dank der Film. Und dann sagt er: ‚Nein Rolf, du kannst jetzt nicht mehr weiter machen.‘ Da sage ich: ‚Ich kündige auf beiderseitigem Einvernehmen.‘“

… die Sportärzte Keul und Klümper

„Professor Keul war ja an der Universität in Freiburg, der hat mir nicht so gutgetan. Da ich hatte die 1976 in Montreal die Scheiße mit den Mineralien.
Dem Klümper habe ich sehr viel zu verdanken. Keul ist derjenige, der mir 1976 das Zeug zutrinken gegeben hat, er war 1972 in München unser Arzt.
Und der Klümper, er war die absolute Koryphäe. Ich würde sagen, der Klümper war der beste Arzt in ganz Deutschland. Der hat sich was getraut, der hat gemacht und getan. Die anderen waren alle neidisch auf ihn. Der war auch von der Universitätsklinik. Er hat immer gesungen, wenn er mir eine Spritze gegeben hat. ‚Hörst du die Vögel rufen …‘ Also der war gut, der Klümper.

Da bin ich ein Mal ich durch das Fenster rein, denn der durfte nicht am Wochenende offen haben. Da bin ich mit meinem Kumpel Norbert Bergmann auch ein Gewichtheber nach Freiburg gefahren. Dann haben wir geklopft und Klümper hat das Fenster aufgemacht. Wir sind dann durch das Fenster rein. Wir hatten noch eine Flasche Whisky dabei, denn er trank gerne Whisky. Dann hat er geguckt, gemacht, getan, spritze gekriegt und wir sind dann 500 km wieder nach Hause gefahren – wahnsinn. Also der Klümper war sensationell. Ohne ihn wäre ich nicht so weit gekommen.
Also die Kleinigkeiten, die Überanstrengungen, die ich hatte und Blablabla.

Dann haben wir noch Geld gesammelt, der hatte ja mal Steuerschulden gehabt oder irgendwas war mal da. Dann haben alle Mann, das waren Eberhard Gienger, meine Wenigkeit und noch andere, zusammengesammelt und ihn unterstützt. Ich glaube, das war eine halbe Million. Ich weiß nicht mehr, was ich gegeben habe, 5000 oder 10.000 der Eberhard Gienger auch 10.000 und der Hingsen, der war noch mit 2000 dabei und und und. Dadurch konnte er die Steuern bezahlen. Ich habe da nämlich nie jemanden bezahlt. Wenn ich eine Spritze bekommen habe, hat der immer eine Hälfte von jemand anderem übriggehabt, ich weiß es auch nicht. Und dadurch ist irgendwas passiert und dadurch konnte er die Steuern nicht bezahlen.

Der Klümper war so erfolgreich, da war nichts mit Doping. Ich habe insgesamt so 100 Dopingkontrollen gemacht, unangekündigt. Vor dem Wettkampf, nach dem Wettkampf und zwischendurch. Selbst wenn ich im Trainingslager war, auf Teneriffa, da kommt dieser Blödmann. Ich sage: ‚Hör mal, wieso bist du nicht am Samstag zum Flughafen gekommen? Jetzt kommst du am Sonntag hier her. Willst du Urlaub machen oder was?‘ Am Sonntag musste ich zur Dopingkontrolle und samstags war er am Flughafen. Er sagte: ‚Ich muss sowieso kommen, hier sind noch Kugelstoßer und dies und jenes.‘ Der ist dann auf Teneriffa rumgefahren. Und der Klümper, er war so sensationell, der hat einem wirklich geholfen. Und die anderen waren alle neidisch auf den, weil der so gut war. Im Gegensatz zum Keul. Gut, der hat auch nicht so viel gemacht. Der hat sich dann später im Tennis einen Namen geholt.
Aber beim Klümper, da haben alle gesessen, Eberhard Gienger und meine Wenigkeit. Und da hat man lange gewartet. Also ich bin ja von hier, da braucht man mindestens vier Stunden. Da musst du schon rasen. Und dann sitzt du da nun mal drei Stunden und dann wieder vier Stunden nach Hause, schon scheiße. Aber das hat sich gelohnt.“

Vom Balltreter zum Gewichtheber

Eine Autofahrt mit Willi Daume

WM 2006 – Italien zu Gast bei Milser


Hier findet sich das vollständige Interview im PDF-Format: